Eine Ode an die Frauen/-Freundschaft

Jeder Mann schaut weniger glücklich auf seinen gefangenen Fisch als ich auf meine Freundinnen. Da ist so viel Bewunderung, so viel Freude, ich kenne keine cooleren Menschen als die Frauen in meinem Leben. Meine Freundinnen, meine Schwestern, meine Mutter, die Freundinnen meiner Mutter, die Töchter der Freundinnen meiner Mutter, die Mütter meiner Freundinnen. Meine Kolleginnen, die Freundinnen meiner Freundinnen.

Setzen Sie sich, bieten Sie einer Frau Ihren Sitz an, glauben Sie mir, sie wird dankend ablehnen oder auch annehmen, auf jeden Fall dankend.

»Danke, vielen Dank, das wäre doch nicht nötig gewesen. Entschuldigen Sie bitte die Umstände, oh, war ich etwas zu laut, zu leise, weniger höflich und zuvorkommend, habe ich aus Versehen eine Sekunde an mich gedacht, ich bitte um Verzeihung.« Jeden Abend spielen wir Brändi Dog, das ist wie TAC nur weniger asozial aber auch etwas mehr egoistisch trotz Teampartner. Und tatsächlich habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich die einzige Karte, die mich aufs Spielfeld bringt, nicht mit meinem Partner tauschen kann. Lieber würde ich selber eine Runde aussetzen, als nicht alles für mein Team zu geben.

Mein Team ist weiblich. Egal wo ich bin, egal wer mit mir ist. Ich weiß, jede Frau ist in meinem Team und ich in ihrem.

»Unterschätze niemals eine Frauenfreundschaft«, sage ich dir. Das sind die ersten Menschen, mit denen ich die Zukunft wirklich planen kann. Die ersten Menschen, die ganz sicher bleiben trotz meiner ewigen Angst, verlassen zu werden. Das sind meine ersten großen Lieben, Lieben auf den ersten Blick. Es klickt oder nicht. Aber selbst wenn nicht, unterschätze nicht die Macht von zwei Frauen. Die Selbstverständlichkeit, mit der wir da sind. Ob Mutter oder nicht, wir hören ein »Mama« auf 150 Meter Entfernung. Wir sehen das Kind, das alleine steht, erkennen Gefahren und schreiten ein.

Wir scannen Umgebungen, planen 20 Schritte im Voraus. Wir spüren Unannehmlichkeiten und jeder Blick sagt mehr als tausend Worte, jedes Schweigen spricht Bände. Wir sehen uns, wir spüren uns und jede Frau gehört dazu.

Jede Frau wird gefeiert, für das, was sie ist, wo sie herkommt, wie sie liebt, was sie leistet und vor allem für das, was sie einmal nicht leistet. »Wir müssen uns Freude im Leben gönnen«, sagt diese eine tolle Frau bei einer Lesung und das stimmt. Wie oft freuen wir uns und denken, wir dürfen uns nicht freuen. Nicht einfach so, nicht ohne dass noch jemand weiteres profitiert.

Doch Freude steckt an und gemeinsam sind wir stark. Wenn wir uns alle miteinander freuen, wie können wir dann hassen?
Auf jedem Bild im Haus der Geschichte zähle ich anwesende Frauen und ärgere mich, wenn ich zwischen den vielen Anzugträgern nur ein weibliches Gesicht sehe. Weiche Züge, wache Augen. Ich ärgere mich über die Selbstverständlichkeit, mit der Männer über Frauen urteilen, reden, bestimmen. Ich ärgere mich nach Gehaltsverhandlungen und ärgere mich mit meiner alten Kollegin zusammen darüber und darüber, wie ihr Chef sie behandelt. Wie selbstverständlich Frauen unterschätzt werden, wie selbstverständlich sich Männer feiern lassen für ihre bloße Existenz.

Weibliche Wut ist etwas so schönes, so starkes und kreatives. Weibliche Wut strotzt vor so vielen Empfindungen, Trauer, Enttäuschung und dem ewigen Wanken zwischen Zulassen und Abschätzen, wann das eigene Maß endgültig überschritten ist. Sage ich jetzt etwas oder reicht es auch morgen? Schlucke ich jetzt meine Gefühle runter oder lasse ich sie raus? Allein diese Abwägungen zeigen weibliche Kraft. Alleine das Lächeln können über Unannehmlichkeiten hinweg, das wiederholte Verzeihen, das ewige Erklären, das eigene Verständnis innerhalb einer Verletzung.

Das Wetter in Irland ist ein Wechselbad der Gefühle wie der Zyklus einer Frau. »Ich bin in meiner Lutealphase«, sage ich dir, »Bilingual-Phase?«, fragst du. »Ja«, sage ich, »ich spreche fließend deutsch und ein bisschen fuck you.« Einen Tag später kriege ich meine Periode, die Lutealphase ist vorbei, jetzt kommt die FUCK-Phase. Dein Freund fragt, ob ich Endometriose habe, weil ich Krämpfe habe trotz 1200er IBU und Pille. Aber nein, habe ich nicht, das ist leider sehr normal.

So normal wie die Wut und die Freude, so normal wie jeden Tag neu beginnen, so normal wie erst einmal das Beste erwarten und genauso normal wie normale Gespräche mit dem männlichen Geschlecht ohne sexuellen Hintergedanken. Wenn mich jemand nach dem Kölner Dom fragt, sage ich nicht sofort: »Ich habe einen Freund, kein Interesse.« Aber wenn dieser jemand dann während einem unangenehm langen Gespräch, in dem ich keinerlei Interesse zeige – weder an ihm noch an diesem Gespräch – meine Nummer haben will, dann ist das schon komisch. Und noch komischer ist es, wenn er das erste freundliche »Nein« von mir hinterfragt.

Die Frage ist warum und wie. Wie wird das besser, wenn diese tausend starken Frauen schon seit 100 Jahren kämpfen und es sich jetzt manchmal einfach nach Rückwärtsgang anfühlt?

Immer weiter, immer geradeaus und in der weiblichen Wut auch immer ein Funken Freude, das ärgert sie am meisten.

Und Mikrofeminismus in die Alltagssprache bringen.

Du schaust Männerfußball? Das ist ja süß.

Sarah Lau