KOLUMNE SARAH LAU

Die wunderbare Slam Poetin, Autorin und Moderatorin Sarah Lau schreibt unter dem Titel „Setzen Sie sich“ eine monatliche Kolumne für das HEFT. Alle bisher erschienenen Beiträge können Sie sich hier noch einmal anschauen.
Weitere Informationen zu Sarah finden Sie unter https://sarah-lau.de/

Ich glaube nicht

»Ich habe den Glauben an die Menschheit verloren«, sage ich dir. Mein Fahrrad stand eine Nacht am Hauptbahnhof und hat am nächsten Tag einen Platten. Nachdem du mir kürzlich erst die neusten Non-Plus-Ultra-Reifen gekauft und aufgezogen hast.

Lernen und lernen lassen

Ich habe gelernt zu sprechen, zu laufen, zu essen, zu sein. Ich bin gekrabbelt, habe gebrabbelt, bin gefallen und habe geweint. Aber ich habe gelernt. Mit jedem Anfassen heißer Herdplatten und jedem Feuerzeug-anmach-Versuch.

Energiesparmodus aktiviert

»Wie viel Energie hast du noch?«, frage ich dich am Ende des Tages. Du bist bei 10% angekommen, doch die müssen noch reichen für zwei Mails und eine Überweisung. Du sagst, du brauchst eine Stunde Pause, dann ist dein Akku wieder voller.

Das ist das Alter

»Das ist das Alter«, sage ich dir. Du wachst jeden Tag um 6 Uhr auf, nach 3 Stunden Theater verhakt sich etwas in meinem Rücken, uns wird schlecht nach einer geteilten Tüte Chips.

Mein Körper

Mein Körper ist meine Erde. Ich lege Bomben, baue Brücken, ich lasse Landkarten malen, Windräder bauen, manches vergrabe, verschütte ich hastig, dann bleibt ein Berg, ein Hügel, vielleicht ein Vulkan, mal sehen, wann er ausbricht.

Eine Ode an die Frauen/-Freundschaft

Jeder Mann schaut weniger glücklich auf seinen gefangenen Fisch als ich auf meine Freundinnen. Da ist so viel Bewunderung, so viel Freude, ich kenne keine cooleren Menschen als die Frauen in meinem Leben.

Alaaf am Arsch

»Alaaf am Arsch«, sage ich zu dir, als ich Samstagabend aus dem Fenster schaue und es schneit. Du kränkelst, meine Periode kickt und es schneit. Gerade noch mussten wir das Auto umparken, weil alle Parkplätze für den Umzug gesperrt sind.

Draußen sieht aus wie ein Adventskalender

Türchen 1, Türchen 2, Türchen 3. Komm, lass uns Türen öffnen und sehen, was sich dahinter verbirgt. Ein Umzug, 50 Kartons und 2000 Euro. Ein neuer Schrank, der alles verstaut, eine neue Lampe und Altes, das neu zur Geltung kommt.

Da ziehen Panzer durch das Land

Ich erzähle dir abends davon. Ein Zug vor meinem Zug, es ist ein regnerischer Morgen, der Sommer hat uns dieses Jahr wirklich früh verlassen und dieser Zug rollt durch. Ein Güterzug, auf jedem Abteil ein Panzer.

Von neuen Hüften, Sportlerknien und unbeugsamen Ellbogen

Ein Wochenendurlaub in Paderborn, in der Sonne im Garten liegen und tatsächlich braun werden für die anstehende Hochzeit und das entsprechende Trauzeuginnenkleid in hellrosa. Vorher Regen auf Libori, jetzt schwitzen.